Im folgenden Beitrag geben wir Euch einen ausführlichen Überblick zum Thema Aircoat Spritztechnik. Neben dem Einsatzbereich und den Anwendungsmöglichkeiten des Aircoat-Spritzverfahrens wird der Aufbau und die Funktionweise von Aircoat Spritzgeräten präsentiert. Zudem werden die Vor- und Nachteil von Aircoat Lackiergeräten benannt und einige Tipps zur Auswahl und zum Umbau von Farbspritzgeräten vorgestellt.

Was ist ein Aircoat Farbspritzgerät?

Aircoat ist ein luftunterstütztes Spritzverfahren. Basierend auf der Airlesstechnik werden Lacke oder Farben in einer Membran- oder Kolbenpumpe unter Druck gesetzt. Über einen Hochdruckschlauch wird das Material zur Pistole gefördert und an der Düse zerstäubt. Beim luftunterstützten Aircoat-Spritzen wird zudem Luft an der Pistole zugeführt. Diese Luft wird durch einen Kompressor bereitgestellt und über einen zweiten Schlauch zur Pistole geleitet. Dort wird die Luft über die Luftkappe verteilt und umgibt den Farbstrahl mit einem Luftmantel (siehe Zeichnung).

Wagner Aircoat - Wie funktioniert das Aircoat-Verfahren?

Wagner Aircoat – Wie funktioniert das Aircoat-Verfahren?

Damit ermöglicht die Aircoat Technologie das Spritzen von Lacken und Farben mit weniger Druck. Dadurch wird eine besonders weiche Zerstäubung und ein sehr feines Spritzbild erzeugt. Aus diesem Grund werden Aircoat Lackiergeräte vor allem dann eingesetzt, wenn es darum geht besonders hochwertige Oberflächen zu erzielen. Anwendungsbeispiele finden sich im Möbel- und Messebau, der Produktion von Fenstern und Türen sowie allgemein im Bereich Holz- und Stahlbau.

Weitere Argumente für den Einsatz eines Aircoat Farbspritzgerätes sind die hohe Flächenleistung, die reduzierte Farbnebelbildung, der geringere Materialverbrauch und die zusätzlichen Einstellmöglichkeiten an der Aircoat-Pistole. Aircoat-Spritzgeräte eignen sich besonders für niedrigviskose, also relativ dünne Materialien wie Lacke oder Lasuren. Für dickere und hochviskose Farben ist der Einsatz eines Aircoat-Gerätes weniger geeignet. In diesem Fall bietet sich das Airlessverfahren als geeigneter an.

Der Begriff Aircoat wird von dem Hersteller Wagner verwendete und ist rechtlich geschützt. Andere Hersteller bezeichnen das Aircoat-Verfahren als AirCombi oder luftunterstütztes Spritzverfahren.

Für welchen Lack- und Farbauftrag eignet sich der Einsatz eines Aircoat Lackiergerätes?

Aircoat Farbspritzgeräte eignen sich besonders zum spritzen von Lacken und Lasuren. Hier lassen sich besonders hochwertige Oberflächen spritzen. Deshalb sind Aircoat Lackiergeräte besonders im Tür- und Festerbau im Einsatz. Tischler, Stahl- und Messebauer setzen ebenfalls verstärkt auf die Aircoat Spritztechnik. Verarbeitet werden können sowohl 1K als auch 2K Materialien. Wichtig für die Verarbeitung von zwei-komponentigen Materialien ist die Beachtung und Einhaltung der Tropfzeit, um die Austrocknung der Farbe im Spritzgerät, im Schlauch oder der Pistole zu vermeiden. Verarbeitet werden können sowohl wasserbasierte als auch lösemittelhaltige Lacke und Farben.

Wie ist ein Aircoat Lackiergerät aufgebaut?

Die wichtigsten Bestandteile für den Einsatz eines Aircoat Spritzgerätes sind das Spritzgerät (Airless), der Kompressor, die Druckregeleinheit für die Luftzufuhr, der Doppelschlauch bestehend aus Farb- und Luftschlauch sowie die Aircoat-Pistole mit Luftkappe und Aircoat-Düse.

Spritzgerät – die Basis beim Aircoat-Spritzen

Um die Farbe unter Druck zu setzen wird ein klassisches Airless Farbspritzgerät eingesetzt. Hier sind verschiedene Ausstattungvarianten möglich, zum Einsatz kommen druckluftbetriebene Spritzgeräte genauso wie Farbspritzgeräte mit elektrischem Antrieb. Je nach Einsatzbereich bieten sich Vor- und Nachteile von elektrischen oder druckluft-betriebenen Modellen, die bei der Auswahl des passenden Aircoat-Spritzgerätes berücksichtigt werden müssen. So bietet sich im explosionsgeschützen Einsatzbereich eine druckluftbetriebene Pumpe gegenüber eines elektrischen Spritzgerätes an. Da ein Elektromotor im Betrieb Funken erzeugen kann. Dadurch steigt die Explosionsgefahr, wenn zum Beispiel lösemittelhaltige Lacke mit einem niedriegen Flammpunkt verarbeitet werden. Weitere Faktoren die bei der Auswahl zwischen einem elektrischen und einem druckluft-betriebenen Aircoatgerät berücksicht werden sollten sind: Leistung des vorhandenen Kompressors, Lärmbelästigung durch den Kompressor, Gewicht und Mobilität des Spritzgerätes und des Kompressors sowie Explosions- und Brandschutzauflagen.

Aufbau einer Membranpumpe - Airless Farbspritzgerät

Aufbau einer Membranpumpe – Airless Farbspritzgerät

Neben den Optionen beim Antrieb des Spritzgerätes stehen auch Optionen bei der Auswahl der Pumpe zur Verfügung. Zum Einsatz kommen können sowohl Membran- als auch Kolbenpumpen im Aircoat-Spritzen. Beide Pumpen-Varianten sind sowohl mit elektrischem Antrieb als auch druckluft-betrieben im Markt verfügbar. Einen ausführlichen Überblick zu den Vor- und Nachteilen von Membran und Kolbenpumpen haben wir in dem Beitrag Was ist besser – Membran oder Kolbenpumpe als Airless Farbspritzgerät? zusammengestellt.

Kompressor im Einsatz beim Aircoat lackieren

Der Kompressor erzeugt die benötigte Luft um die Pistole zusätzlich mit Luft zu versorgen. Beim Einsatz von druckluft-betriebenen Pumpen versorgt der Kompressor zudem den Antrieb des Spritzgerätes mit Druckluft. Wichtig ist, dass ausreichend Leistung vom Kompressor zur Verfügung gestellt wird. Das heißt der Kompressor muss genug Luftvolumen pro Minute erzeugen, um den Luftbedarf an der Pistole bzw. des Antreibes des Spritzgerätes mit Druckluft zu versorgen.

Gewicht ud Lautstärke sind ebenfalls wichtige Faktoren bei der Auswahl des Kompressors. Besonders beim mobilien Einsatz auf Baustellen wirken sich diese Faktoren beim Transport und bei der Lärmbelästigung aus.

Druckregeleinheit zur Regulierung der Druckluft an Aircoat Lackiergeräten

Über die Druckregeleinheit kann die Luftzufuhr vom Kompressor zur Pistole genau gesteuert werden. An der einen Seite wird der Luftschlauch des Kompressors angeschlossen. An der anderen Seite wird der Luftschlauch zwischen Regelventil und Pistole verschraubt. Auf einem Manometer kann der aktuelle Luftdruck abgelesen werden. Über ein Ventil kann die Luftzufuhr durch Drehung erhöht oder reduziert werden.

Wagner SF 23 Plus Aircoat mit Druckluftregler

Wagner SF 23 Plus Aircoat mit Druckluftregler

Doppelschlauch bestehend aus Farb- und Luftschlauch für Aircoat-Spritzgeräte

Der Doppelschlauch eines Aircoat Farbspritzgerätes besteht aus einem Farbschlauch und einem Luftschlauch. Über den Farbschlauch wird der Lack oder die Farbe vom Spritzgerät unter hohem Druck zur Aircoat-Pistole geleitet. Parallel dazu verläuft der Luftschlauch. Im Luftschlauch wird die vom Kompressor kommende Luft über das Druckregelventil zur Pistole gedrückt. Die Druckluft wird in den meisten Fällen mit maximal 8 bar durch den Luftschlauch geleitet. In den meisten Anwendungsfällen liegt der Luftdruck aber viel niedriger. Deshalb ist darauf zu achten, dass Farb- und Luftschlauch nicht vertauscht werden. Im Regelfall (aber nicht immer) sind deshalb unterschiedliche Gewinde am Farb- und Luftschlauch verbaut, um Verwechselungen zu vermeiden.

 

Doppelschlauch für Aircoat & luftunterstütztes Airless-Spritzen

Doppelschlauch für Aircoat & luftunterstütztes Airless-Spritzen

Aircoat-Pistole mit Luftkappe und Aircoat-Düse

Über die Aircoat Farbspritzpistole erfolgt die Verteilung und der Auftrag der Farbe und des Lacks. Über den Abzug der Pistole kann der Materialauftrag gesteuert werden. Zudem gibt es an den meisten Aircoat-Pistolen die Möglichkeit die Verteilung der zugeführten Druckluft zu steuern. Ein Filter in der Lackierpistole schützt die Düsen vor Verstopfung. Die Luftkappe bestimmt den Luftfluss und die Aircoat Düse an der Spitze der Pistole sorgt für die Zerstäubung des Lacks. Hier findet ihr einen komplette Übersicht zur Auswahl der passenden Aircoat Düsen. Zur Übersicht aller lieferbaren Wagner Luftkappen gelangen Sie hier.

Wagner GM 4600 Aircoat-Pistole

Wagner GM 4600 Aircoat-Pistole

Wie funktioniert ein Aircoat Spritzgerät?

Über eine Membran- oder Kolbenpumpe wird das Material (Lack, Farbe) im klassischen Airlessverfahren unter Druck gesetzt. Das heißt das Material wird ohne Zufuhr von Luft durch den Druck des Kolbens- bzw. der Membran komprimiert. Dabei erzeugt das Spritzgerät einen Druck von maximal 250 bar. Im Regelfall wird deutlich unterhalb dieses Druckbereichs gearbeitet (Ausnahmen bestehen bei Anwendungen im industriellen Bereich). Über einen Hochdruckschlauch wird das Material vor zur Pistole gepumpt. Wird der Abzug der Aircoat-Pistole betätigt bewegt sich das Material durch den Pistolenfilter und die Düse und wird zerstäubt. Im selben Moment erzeugt der Kompressor Druckluft, die über den Luftschlauch parallel zum Farbschlauch zur Pistole gefördert wird. Zwischen Kompressor und Pistole sitzt das Druckregelventil. Über dieses Ventil kann die Menge der Luftzufuhr und der Druck gesteuert werden. Die Druckluft wird durch die Pistole zur Luftkappe geführt und umströhmt so den Farbstrahl. Die Luftzufuhr kann zudem an der Pistole gesteuert werden.

Vorteile des Aircoat Spritzverfahrens

  • hohe Oberflächenqualität
  • hohe Flächenleistung und Arbeitsgeschwindigkeit
  • weiches Spritzbild
  • reduzierte Farbnebelbildung
  • geringer Materialverbrauch bei 70 bis 75% Wirkungsgrad
  • geeignet für niedrigviskose Materialien wie Lacke und Lasuren

Nachteile des Aircoat Spritzensverfahrens

  • weniger geeignet für hochviskose Materialien
  • weniger geeignet zur Verabeitung von sehr geringen Materialmengen

Welches Aircoat Spritzgerät ist das Richtige für meine Projekte?

Bei der Auswahl des richtigen Aircoat Lackiergerätes ist einiges zu beachten. Deshalb haben wir hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst, um die größten Stolpersteine und Fehlentscheidungen beim Kauf zu vermeiden. Zudem präsentieren wir beispielhaft einige Modelle, die für Eure Projekte in Frage kommen könnten. Zuerst aber die wesentlichen Punkte, die beim Kauf eines Aircoat Farbspritzgerätes zu berücksichtigen sind.

  • Leistung des Spritzgerätes
  • Leistung des Kompressors
  • Antrieb – elektrisch oder druckluft-betrieben
  • Membran- oder Kolbenpumpe
  • Ansaugung – direkt aus dem Gebinde oder Trichter
  • Gewicht und Transport
  • Budget und Preis

Beliebte Aircoat Farbspritzgeräte im Überblick

Hier präsentieren wir Euch einige der gängisten Aircoat Farbspritzgeräte im Überblick.

Wagner SF 23 Plus auf Fahrwagen in Aircoat Ausstattung

Das Wagner SuperFinish 23 Plus ist eine elektrische Membranpumpe mit 2,6 l/min Förderleistung und einem Gewicht von 29 kg. Der maximale Arbeitsdruck liegt bei 250 bar und es können Düsen bis zu einer Bohrungsgröße von 0,023″ eingesetzt werden. Das Modell bietet sich für mobile Einsätze an, da es leicht transportiert werden kann. Deshalb ist es oft bei Messebauern und mobilen Schreinern im Einsatz. Bei uns hat sich zuletzt ein Kunde für dieses Modell entschiede, da er einen Auftrag zur Lackierung der Türen einer alten Schule hatte. Durch den Fahrwagen ist er mobil und kann das Geräte leicht im Schulgebäude von einer Tür zur nächsten bewegen.

Wagner SF 23 Plus Aircoat

Wagner SF 23 Plus Aircoat

Dieses Modell ist mit einem 5-Liter-Trichter ausgestattet, in den der Lack leicht eingefüllt werden kann. Aber es gibt auch die Möglichkeit das Modell mit einem Ansaugrohr zu versehen, um den Lack direkt aus dem Großgebinde zu verarbeiten. Zudem gibt es einige weitere Ausstattungsoptionen, wie das Standgerät ohne Räder oder ein weiteres Modell an der der Kompressor zur Druckluftversorgung gleich verbaut ist.

Wagner Puma 28-40 – durckluftbetriebene Kolbenpumpe in Aircoat-Ausstattung

Die Wagner Puma 28-40 ist eine druckluftbetriebene Kolbenpumpe mit einem Übersetzungsverhältnis von 28:1. Wird Druckluft mit einem bar Druck zugeführt, erzeugt der Luftmotor einen Materialdruck von 28 bar. Der maximale Lufteingangsdruck liegt bei 8 bar, daraus ergibt sich ein maximaler Materialdruck von 224 bar. Auch dieses Modell ist in verschiedenen Ausstattungsvarianten verfügbar. Neben dem Vierbein Standgerät (siehe Bild) bietet der Hersteller einer Variante auf einem Fahrwagen sowie ein Modell zur festen Wandmontage.

Wagner Puma 28-40 Aircoat

Wagner Puma 28-40 Aircoat

Im Ansaugbereich gibt es ebenfalls Auswahlmöglichkeiten. In der Abbildung ist diePuma 28-40 mit starrem Ansaugsystem zu sehen. Damit kann der Lack oder die Farbe direkt aus dem gebinde verarbeitet werden. Eine weitre Option bietet ein Ansaugschlauch. Für kleine Materialmengen eignet sich der 5-Liter-Trichter, der ebenfalls montiert werden kann.

Wagner Cobra 40-10 – druckluftbetriebene Membranpumpe in Aircoat-Ausstattung

Die Cobra 40-10 ist eine druckluftbetriebe Membranpumpe und besonders bei Tischlern im stationären Einsatz beliebt. Das Aircoat-Gerät verfügt über eine maximale Förderleistung von 2,0 l/min und erzeugt einen maximalen Arbeitsdruck von 250 bar. Auf Grund des Druckluftantriebs eigent sich dieses Modell wie die Puma 28-40 für den Betrieb in explosionsgeschützten Bereichen. Dazu befindet sich ein Erdungskabel im Lieferumfang. Die Materialansaugung erfolgt über den 5-Liter-Materialbehälter.

Umbau von klassischen Airlessgeräten zum Aircoat Spritzgerät

Mit einer Aircoat-Pistole, einem Doppelschlauch und einem Druckluftregler können viele klassische Airlessgeräte zu einem Aircoat-Spritzgerät umgebaut werden. Das genaue Vorgehen und die benötigten Bauteile haben wir für Euch in dem Artikel Ist der Umbau von einem Airless-Farbspritzgerät zu einem Aircoat / luftunterstützen Airless möglich? zusammengefasst und in einem Video dokumentiert.

Zudem haben wir einen Umbausatz von Airless auf AirCoat bestehend aus folgenden Bestandteilen zu einem reduzierten Paketpreis im Angebot:

Alles was ihr sonst noch benötigt ist ein Airlessgerät und ein kleiner Kompressor.

Weitere Informationen über Aircoat Farbspritzgeräte und Zubehör

Für alle weiteren Fragen rund um das Thema Aircoat Spritztechnik stehen wir Euch gern unter Tel. 030/22015436, per Mail über unser Kontaktformular oder direkt in unserem Service-Stützpunkt für alle Fragen zur Verfügung.