Im 55. Teil unserer Videoserie Airless Tipps haben wir besonders viel Aufwand betrieben und einen Test mit einem Heizschlauchsystem an einem Airlessgerät durchgeführt. Heizschlauchsysteme in Kombination mit Airlessgeräten werden mit den Argumenten weniger Farbnebel, weniger Druck, besseres Spritzbild, gleichmäßigere Oberfläche, höhere Deckkraft und vielen weiteren Argumenten beworben. Aber wie groß sind die Vorteile eines Heizschlauchs am Airless wirklich? Um das herauszufinden haben wir einen Test durchgeführt. Dazu haben wir einen Lack warm und klar auf MDF Platten und eine Holztür gespritzt. Zudem haben wir einen Drucktest durchgeführt, um herauszufinden wie stark sich der Druck durch das erwärmen reduzieren lässt.

Was ist ein Heizschlauch?

Ein Heizschlauch ermöglicht das erwärmen des Lacks oder der Farbe. Dazu wird der klassische Airlessschlauch durch den Heizschlauch ersetzt, also zwischen dem Materialausgang am Airlessgerät und die Spritzpistole montiert. Innerhalb des Heizschlauchs befindet sich ein Heizdraht, der die Farbe beim vorbeifließen erwärmt. Meist wird bei 40 Grad Materialtemperatur gearbeitet, aber bei vielen Heizschlauchsystemen kann die Temperatur beliebig eingestellt werden (z. B. bis 60 Grad). Die Regelung der Temperatur erfolgt über die Steuereinheit.

Steuereinheit des Wagner TempSPray H126

Steuereinheit des Wagner TempSpray H126

Vor- und Nachteile eines Airless Heizschlauchsystems

Bevor wir die unseren Test und die Ergebnisse auswerten, sollten wir uns die oft angepriesenen Vorteile von Heizschlauchsystemen anschauen, so können wir diese direkt im Test überprüfen. Die Vorteile ergänzen wir zudem um die Nachteile, die sich aus dem Einsatz eines Heizschlauchs ergeben.

Vorteile eines Airless Heizschlauchs

Durch ein Heizschlauchsystem und das Erwärmen der Farbe oder des Lacks lässt sich mit weniger Druck arbeiten. Der größte Vorteil in diesem Zusammenhang ist die Reduzierung des Farbnebels, denn weniger Druck bedeutet auch immer weniger Farbnebelbildung. Zudem gibt es aber eine paar andere Nebeneffekte wie zum Beispiel die geringere Belastung des Spritzgerätes, der Pistole und der Düse. Dadurch sollte sich der Verschleiß etwas verringern und die Standzeit erhöhen. Auch ein besserer Farbverlauf und eine bessere Deckkraft ist als Argument immer wieder zu finden. Zudem lässt sich das Material auch direkt bei kälteren Temperaturen verarbeiten.

Heizschlauch, spritzen mit weniger Druck

Heizschlauch, spritzen mit weniger Druck

    • Reduzierung des Drucks
    • geringere Belastung für das Spritzgerät (Verschleiß)
    • weniger Farbnebel
    • Trocknung
    • auch bei kälteren Temperaturen besser spritzbar
    • besserer Farbverlauf

Nachteile eines Airless Heizschlauchs

Den Vorteilen stehen natürlich auch offensichtliche Nachteile gegenüber. Diese wären vor allem die Anschaffungskosten eines Heizschlauchsytsems sowie Aufwand und Kosten für Wartung, Reparatur und Pflege.

    • Kosten
    • mehr Technik = höherer Pflege- und Wartungsaufwand

Test – Was bringt ein Heizschlauch?

Im Video testen wir den Druck und vergleichen welche Druckeinstellung beheizt und unbeheizt möglich ist. Zudem spritzen wir das Material beheizt und kalt auf MDF Platten sowie auf eine profilierte Holztür. Neben der Gestaltung des Tests haben wir hier Informationen zur eingesetzten Spritztechnik sowie zum verwendeten Lack zusammengefasst.

Drucktest mit und ohne Heizschlauch

Um herauszufinden ob sich der Lack mit einem Heizschlauchsystem mit weniger Druck spritzen lässt, haben wir einen Drucktest durchgeführt. Dazu wurde der Lack in der oberen Testreihe unbeheizt (ca. 11 Grad) bei verschiedenen Druckeinstellungen gespritzt. Los ging es bei 60 bar, dann in 20 bar Schritten hoch bis 180 bar. So konnte genau bestimmt werden, ab welcher Druckeinstellung sich mit dem „kalten“ Lack ein gutes Spritzergebnis erzielen lässt. Der gleiche Test wurde in der unteren Reihe unter Einsatz des Heizschlauchs und mit 40 Grad erwärmtem Lack durchgeführt.

Drucktest mit und ohne Heizschlauch

Drucktest mit und ohne Heizschlauch

Test auf MDF Platten

Um ein Gefühl für die Farbnebelbildung, den Materialverlauf und die Deckkraft, die Trocknung und die Oberfläche zu bekommen, haben wir das Material beheizt und unbeheizt auf insgesamt vier MDF Platten gespritzt. Die MDF Platten wurde vorher grau grundiert, um Unterschiede in der Deckkraft besser sichtbar machen zu können. Auf die erste Platte wurde der Lack kalt von oben nach unten aufgespritzt. Auf die zweite Platte im Kreuzgang. Auf die dritte Platte wurde der Lack auf 40 Grad erwärmt von oben nach unten aufgetragen. Auf der vierten Platte erfolgte der Materialauftrag dann erwärmt und im Kreuzgang.

Spritzen auf MDF Platten

Spritzen auf MDF Platten

Test auf profilierter Holztür

Um den Test auf reale Bedingungen zu erweitern, wollten wir nicht nur auf glatte MDF Platten spritzen. Deshalb haben wir eine profilierte Tür in den Test mit einbezogen. Die Tür wurde vorher wie die MDF Platten mit grauem Primer gespritzt. Anschließend haben wir die Tür von der einen Seite mit unbeheiztem Lack im Kreuzgang gespritzt. Für die zweite Seite wurde der Lack auf 40 Grad erwärmt, der Auftrag erfolgte ebenfalls im Kreuzgang.

Tür mit Airless & Heizschlauch lackiert

Tür mit Airless & Heizschlauch lackiert

Welche Spritztechnik und welchen Lack haben wir genutzt?

Das Ergebnis eines Tests hängt natürlich auch immer vom eingesetzten Material ab. Andere Materialien ergeben vielleicht ganz andere Ergebnisse bei der Druckeinstellung, der Farbnebelbildung und der Oberfläche. Zudem sei darauf hingewiesen, dass es Lacke gibt, die ungeeignet sind, um sie temperiert im Airlessverfahren zu verarbeiten.

Wagner SF 23 Plus mit H126 Heizschlauch

Wagner SF 23 Plus mit H126 Heizschlauch

In unserem Test kam ein Wagner SF 23 Plus in der TempSpray Ausstattung zum Einsatz. Das bedeutet, dass ein Wagner SF 23 Plus Airlessgerät mit einem Wagner H126 Heizschlauch ausgestattet wurde. Der Heizschlauch kann natürlich auch nachgerüstet werden. Gespritzt wurde mit einer Wagner lila-farbenen FineFinish Lackdüse in Größe 410. Als Lack wurde Airless Satin von Lucite eingesetzt. Das Material ist spritzfertig eingestellt und kann unverdünnt bis 300 my Nassschichtstärke aufgetragen werden.

Lucite AirlessSatin

Lucite AirlessSatin

Ergebnis des Heizschlauch Tests

In einem Drucktest haben wie den Lack AirlessSatin mit einer FineFinish Düse in Größe 410 auf 40 Grad erwärmt und kalt bei etwa 11 Grad gespritzt. Dazu haben wir das Material bei 60, 80, 100, 120, 140, 160 und 180 auf Papier aufgebracht. In der oberen Reihe wurde das Material kalt gespritzt, in der untere Reihe erwärmt. Dabei konnten wir feststellen, dass der Lack auf der Oberfläche eine gute Verteilung bei etwa 130 bar Druckeinstellung im kalten Materialzustand ergab. Beim arbeiten mit dem erwärmten Material konnte der Druck deutlich reduziert werden, sodass es möglich war mit 90 bar zu spritzen. Im Resultat ist das eine Reduzierung des Drucks um 40 bar. Ein Vorteil bei der Farbnebelbildung und damit auch bei den Vor- und Nacharbeiten, da Aufwand und Material beim Abkleben und der Reinigung gespart wird. Zudem sinkt der Lackverbrauch, durch die Reduzierung der Nebelbildung und die Belastung der Spritztechnik wird verringert.

Airless Drucktest mit und ohne Heizschlauch

Airless Drucktest mit und ohne Heizschlauch

Im zweiten Schritt haben wir vier MDF Platten lackiert. Diese Platten haben wir in der Vorbereitung mit Primer in grau gespritzt. Die Idee war bei einem grauen Untergrund besser mögliche Unterschiede in der Deckkraft und im Farbverlauf ausmachen zu können. Die ersten beiden Platten wurde kalt bei etwa 11 Grad Materialtemperatur gespritzt. Die erste Platte von oben nach unten, die zweite im Kreuzgang. Der verwendete Lack ist recht fehlerverzeihend, da er bis 300 my aufgebracht werden kann. Trotzdem wollten wir den Kreuzgang testen und so das Material dicker aufbringen, um eine Idee von der Deckkraft zu gewinnen und das Risiko von Läufern zwischen dem kalt und warm gespritzten Material zu erkennen. Zum Vergleich haben wir deshalb die dritte und vierte Platte erwärmt gespritzt. Einmal von oben nach unten und einmal im Kreuzgang. Dabei konnten wir feststellen das sich der Lack, AirlessSatin, sowohl unbeheizt als auch beheizt sehr gut spritzen lässt. Das Material ist bereits Airless eingestellt und kann direkt unverdünnt verarbeitet werden. Dadurch war auch beim kalten spritzen bei 130 bar sehr wenig Farbnebel zu sehen. Optisch war im Vergleich zum erwärmten spritzen bei 90 bar schwer ein Unterschied auszumachen. Trotzdem ist bei einer Reduzierung des Drucks um 40 bar von weiterer Reduzierung des Farbnebels auszugehen, auch wenn er mit unseren Möglichkeiten nicht messbar war. Zur Deckkraft und Farbverteilung, wir hatte den Eindruck, dass das erwärmte Material etwas anders verläuft und minimal besser deckt. Man musste aber genau hinschauen. Bei der Überprüfung nach dem trocknen der Oberfläche waren keine Unterschiede mehr zu erkennen. Sowohl kalt als auch warm gespritzt konnte ein schönes und gleichmäßiges Oberflächenbild hergestellt werden. Weder beim überlappenden Auftrag, noch im Kreuzgang kam es zu Läufern oder zur Nasenbildung. Weder kalt noch warm gespritzt, damit eignet sich der Lack auch für Einsteiger, die noch nicht so viel Erfahrung mit der Airlessanwendung haben.

MDF Platten Airless mit und ohne Heizschlauch

MDF Platten Airless mit und ohne Heizschlauch

Im Abschluss wollten wir den Vergleich auf eine profilierte Tür spritzen, eine häufige Anwendung für das Material recht typisch ist. Gerade in den Ecken und Kantenbereichen kann es hier zur Farbansammlung und zu Läufern kommen. Die profilierte Oberfläche den Test neben der MDF Platte zudem um realere Bedingungen erweitern. Dazu wurde die erste Seite kalt im Kreuzgang gespritzt, die zweite Seite der Tür ebenfalls im Kreuzgang, aber mit auf 40 Grad erwärmten Lack. Die Ergebnisse aus den vorhergehenden Tests haben sich hier bestätigt. Keine Läufer und Nasenbildung, trotz der Profilierung des Oberfläche. Kalt gespritzt bei 130 bar ließ sich ein schönes und gleichmäßiges Spritzbild und eine homogene Oberfläche herstellen. Gleiches gilt für das Spritzen mit beheiztem Lack bei 40 Grad und 90 bar Druckeinstellung. Auch die Nachbetrachtung nach der Trocknung der Oberflächen ergab ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Tür im Kreuzgang spritzen

Tür im Kreuzgang spritzen

Fazit: Der Test ergab, dass sich der AirlessSatin Lack von Lucite sowohl beheizt als auch unbeheizt sehr gut spritzen lässt. Es lässt sich sowohl mit erwärmten Material als auch kalt ein schönes Spritzbild herstellen. Das Material verteilt sich gut auf der Oberfläche und deckt warm und kalt. Kalt konnten wir den Lack unter unseren Bedingungen gut bei einer Druckeinstellung von 130 bar spritzten. Mit erwärmten Material war eine Druckreduzierung um 40 bar auf 90 statt 130 bar möglich. Hieraus ergeben sich einige Vorteile durch den Einsatz des Heizschlauchsystems im Bereich der Farbnebelbildung, des Lackverbrauchs sowie des Aufwands beim Abkleben sowie der Vor- und Nacharbeiten zur Reinigung. Zudem sollte der Materialverbrauch etwas geringer ausfallen und das Spritzgerät wird weniger belastet. Im Test war zudem festzustellen, dass im nassen Zustand beim spritzen mit erwärmten Material der Lack auf der Oberfläche leicht besser zu decken scheint. Dieses Vorteil ist nach der Trocknung nicht mehr sichtbar. Hier würde es Sinn machen den Test auszudehnen und um weitere Lacke zu erweitern. Ein weiterer Vorteil des Heizschlauchsystems ergibt sich in der kalten Jahreszeit, da der Lack innerhalb kurzer Zeit erwärmt wir, hat man immer gleich Arbeitsbedingungen. So ist das Material direkt spritzfertig, selbst wenn es gerade von draußen aus dem Lieferwagen und nur 5 Grad Temperatur hat.

Weitere Tipps zu Airless Farbspritztechnik gibt es hier

Facebook-Gruppe Tipps & Tricks – Airless Farbspritzgeräte – in der Facebook-Gruppe diskutieren inzwischen mehr als 4000 Profis rund um das Thema Spritztechnik. Hier geht es um Fachfragen und den Austausch von Erfahrungen ohne die üblichen Facebook Katzenfotos.

Videoserie Airless Tipps – ihr fragt, wir antworten mit einem Video. In der Videoserie Airless Tipps könnt ihr uns fragen stellen, die wir wenn irgendwie möglich mit einem Video beantworten.

Airless Discounter Akademie – in unserem Schulungszentrum Spritztechnik bieten wir regelmäßig Tageskurse rund das Thema Spritztechnik.

Für alle weiteren Fragen rund um das Thema Spritztechnik stehen wir Euch gern unter Tel. 030/22015436, per Mail über unser Kontaktformular oder direkt in unserem Service-Stützpunkt zur Verfügung.